Audiokommentare zur Klassenarbeit - mein Workflow

Normalerweise erhalten Schüler*innen den Erwartungshorizont mit Randbemerkungen oder einem ergänzenden Kommentar als Rückmeldung zur Klassenarbeit. Die Idee eine differenzierte und individuelle Rückmeldung per Audio zu geben, fand ich spannend. Vocal Recall erlaubt sowas sogar, ohne dass man mit dem Datenschutz in Konflikt gerät. Da ich gerade sowieso korrigiere, hab ich 's gleich mal ausprobiert. 


Mittels Vocal Recall lassen sich datenschutzkonform Audiofiles erstellen und per QR Code teilen. Wie das genau geht, habe ich in einem anderen Beitrag erklärt. 

Der erste Audiokommentar dauerte gefühlt ewig. Vocal Recall erlaubt keine Bearbeitung, also bleibt entweder jeder Versprecher, jedes falsch gewählte Wort und jede seltsame Formulierung bestehen oder man startet eine komplett neue Aufnahme. Bei einer Bewertung oder einem persönlichen Kommentar möchte ich natürlich besonders überlegt formulieren und so waren die ersten spontanen Versuche zum Scheitern verurteilt. 

 

Schließlich entstand aber ein Konzept, wie ich den Kommentar quasi nebenbei aufnehme.

Aufnahme

1. Der Kommentar beginnt mit einer Begrüßung und Vorstellung.

"Hallo, hier ist Frau Sonnig mit einem Kommentar zu deiner ersten Deutscharbeit."

  • Die Nennung der Arbeit finde ich wichtig, damit sich die Kommentare eindeutig der jeweiligen Klassenarbeit zuordnen lassen.
  • Den Namen der Schüler*in nenne ich aus datenschutzrechtlichen Gründen nicht, auch wenn ich mir dafür manchmal auf die Zunge beißen muss. 

2. Nun folgt eine kurze Beschreibung der zu bearbeitenden Aufgabe.

"In der ersten Aufgabe solltest du den vorliegenden Text genau untersuchen, Fehler finden und benennen und Verbesserungsvorschläge formulieren."

  • Auf diese Weise erhält das Audiofile eine inhaltliche Struktur, das erleichtert den Hörer*innen die Orientierung und mir die Aufnahme.

3. Während der Korrektur fülle ich üblicherweise auch den Erwartungshorizont aus. Ebenso verfahre ich bei der Aufnahme. Immer, wenn mir etwas auffällt, was ich gerne genauer erläutern würde, als der Platz am Rand es zulässt, ergänze ich das Audio. 

  • Auf diese Weise nehme ich meist vorformulierte Sätze auf und pausiere zwischendurch. 
  • Gut ist es, im Hinterkopf zu behalten, was man zuletzt aufgenommen hat. Sonst entstehen schnell Wiederholungen oder Lücken. 
  • Trotz der zahlreichen Pausen bei der Aufnahme ergibt sich später bei der Wiedergabe ein flüssiger Text. Die Aufnahmequalität ist also insofern gut.
  • Bei der Aufnahme spreche ich bewusst ins Micro des Smartphones. Der Klang ist in Ordnung.
  • Verweise auf den Unterricht, Tipps oder ausführliche Erläuterungen ergeben sich von selbst. 

4. Im Schlussteil fasse ich evtl. kurz zusammen, ergänze eine Rückmeldung zur sonstigen Mitarbeit und verabschiede mich. 

  • Bei komplizierten Fällen höre ich die Datei nochmal an, bevor ich sie speichere.

 

Sichern in der Cloud per QR-Code 

  • Um in die Cloud geladen zu werden, muss der Datei ein QR-Code per Scan zugewiesen werden. Außerdem benötigt das File einen Namen. Aus Datenschutzgründen wähle ich ein Kürzel, das für mich wichtige Informationen zur Arbeit, doch keinen Klarnamen enthält.
  • Damit jeder sieht, dass der Erwartungshorizont nur mit Audiokommentar vollständig ist, findet sich ein Platzhalter zum Einkleben der Etiketten auf dem Ausdruck.
  • Mit viel Gefühl lassen sich die Etiketten wieder spurlos entfernen, weshalb ich einen kleinen Haken vom Aufkleber aufs Blatt ziehe. 

Auswertung

  • Insgesamt kommentiere ich per Audio ausführlicher und stelle mehr inhaltliche und unterrichtliche Zusammenhänge her, als ich dies zuvor schriftlich machte. Mir gefällt auch die persönliche Note, die sich schriftlich nicht erreichen lässt.
  • Praktisch finde ich, dass Vocal Recall in der History anzeigt, ob das Audiofile vollständig, ganz oder gar nicht gehört wurde. 
  • Auf meinem Smartphone findet sich in der History der App ein Archiv aller in der Cloud befindlichen Files. So lässt sich für Konferenzen oder Besprechungen darauf zurückgreifen. 
  • Vermutlich werde ich am Ende eines Schuljahres alle aufgenommenen Kommentare löschen, damit ich sie nicht ewig mit mir herumtrage.  Damit wären sie dann auch für Schüler*innen nicht mehr zugänglich. Sobald die Zeugnisse raus sind, ist das vertretbar, denke ich.
  • Praktisch wäre es bestimmt, wenn die App einen Zugriffsschutz per Code anbieten würde.

Weitere Einsatzmöglichkeiten

  • Für mündliche Aufgaben eignet sich Vocal Recall natürlich besonders gut, da keine persönlichen Daten von Schüler*innen erfasst werden. Die Codes können zusammen mit dem Arbeitsauftrag verteilt werden.
  • Für die Aufnahme müssen die Lernenden allerdings die App  auf dem eigenen Smartphone installieren.
  • Diese sollte auch nicht gelöscht werden, bis der mündliche Beitrag besprochen ist, da die Datei sonst nicht aus der Cloud verschwindet.

Wichtig zu wissen:

Löscht man die App, bleibt das Audiofile in der Cloud erhalten und lässt sich weiterhin per QR Code abrufen. Da die Installation keinen persönlichen Account erstellt, verschwindet durch das Löschen der App auch der Zugriff auf die History, d. h. Dateien können nicht mehr aus der Cloud entfernt werden.


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